Verbandsversammlung vom 13.11.2013 - Lagebericht

Wasseraufbereitung in Pattendorf unvermeidlich!

 

Reines Grundwasser, ein geschöntes Wunschbild für viele, kontakariert durch die „Lebenswirklichkeit"

 

Auch wenn es scheinbar immer noch nicht alle begriffen haben, zu jeder Zeit ausreichend Wasser in Trinkwasserqualität zur Verfügung zu haben, ist ein unglaublich wertvolles Geschenk der Natur.

Man müsste meinen, dass man zum Schutz eines so wertvollen Geschenkes alle verfügbaren Erkenntnisse und Möglichkeiten nutzt um Wasser so, wie es uns die Natur zur Verfügung stellt, gegenwärtig und auch künftig trinken zu können.

 

Tun wir das auch wirklich?

 

Betrachtet man zur Beantwortung dieser Frage nur das Zeitfenster der letzten 20 Jahre, dann gibt es bedauerlicher Weise nur ein kurzes und knappes Nein, ganz im Gegenteil.

 

Die schädlichen Einträge ins Grundwasser nehmen landauf und landab ständig weiter zu und diese Kontaminierung mit verschiedenen Schadstoffen führt zu erheblichen Konsequenzen.

Der Anstieg der Belastungen ist ja auch nicht wirklich zu bestreiten, zu klar und eindeutig sind die diesbezüglichen objektiven  Daten und Fakten und deren Quellen.

 

Zunächst wird die Gleichung Grundwasser = Trinkwasser, über Millionen von Jahren eine Selbstverständlichkeit, außer Kraft gesetzt.

 

Solange sich diese Belastungen unter den vorgegebenen gesetzlichen Bestimmungen bewegen, führt dies zu einer ständigen Verniedlichung des Problems.

Der Glaube an die Wirkung der gesetzlich festgelegten Grenzwerte scheint unerschütterlich und bewirkt eine kaum verständliche Gleichgültigkeit.

Die Grenzwerte werden gewissermaßen zur Rechtfertigung für den vernachlässigten flächendeckenden Grundwasserschutz so lange sie nicht überschritten werden.

Die politisch Verantwortlichen in unserer Gesellschaft verkünden zudem, dass die Versorgung mit Trinkwasser nirgends auf der Welt so gut sei wie bei uns und verschweigen dabei wie viele Brunnen vom Netz genommen wurden und werden und wie viele Trinkwasserversorger die Versorgung nur noch durch eine Behandlung des geförderten Grundwassers sicherstellen können.

Eindeutige Erkenntnisse zur Entwicklung der Belastungen werden, je nach Interessenlage interpretiert aber dies führt letztlich nicht an der „Lebenswirklichkeit" vorbei und die bedeutet, übertragen auf unsere Versorgungsstruktur, dass auch wir an der Grundwasseraufbereitung nicht mehr vorbeikommen.

 

Die dokumentierten objektiven und wiederkehrenden Wasseranalysen zeigen uns die Belastungslinien an den verschiedenen Brunnenstandorten, und die sind über viele Jahre eindeutig negativ.

Diese Erkenntnisse bestimmen zusammen mit den Feststellungen des Wasserwirtschaftsamtes, des Landratsamtes, des Gesundheitsamtes und eines von uns beauftragten Geologen zunehmend unsere Maßnahmen, die wir ergreifen, um unseren gesetzlichen Auftrag erfüllen zu können.

Dieser Sicherstellungsauftrag lautet schlicht und einfach Einhaltung der Trinkwasserverordnung bei der Versorgung unserer Anschlussnehmer mit Wasser.

War das lange Zeit ein Selbstläufer, weil das geförderte Grundwasser in steter Regelmäßigkeit den Vorgaben der Trinkwasserverordnung entsprach, so wird das zunehmend schwieriger, um es zurückhaltend zu formulieren.

Wie unschwer vorhersehbar wurde nunmehr mehr auch in unserem Verband, in zwei ganz wesentlichen Bereichen, diese Regelmäßigkeit faktisch außer Kraft gesetzt.

 

Sowohl im „Hohenthanner" wie auch im „Pattendorfer" Grundwasser wurde der Grenzwert  beim Planzenschutzmittel Desethylatrazin überschritten.

 

Was bedeutet das für uns ganz konkret?

 

Wir müssen versuchen mit geeigneten Maßnahmen aus dem belasteten Grundwasser die Schadstoffe wieder zu entfernen, die sich dort soweit angereichert haben, dass sie die Grenzwerte übersteigen.

Man fasst diese Maßnahmen verharmlosend zusammen unter dem Sammelbegriff der „Wasseraufbereitung".

 

Damit werden wir zu einem Reparaturbetrieb, um mit Hilfe dessen die Versäumnisse eines vorbeugenden Grundwasserschutzes mit viel Aufwand auszugleichen.

 

Wir als Wasserversorger verfügen, unter rechtlichen Gesichtspunkten betrachtet, auch über keine wirksamen Möglichkeiten vorbeugenden Grundwasserschutz zu betreiben.

 

Unsere diesbezüglichen Möglichkeiten beschränken sich auf punktuelle Maßnahmen, wie bei der Ausweisung von Schutzgebieten um die Brunnenstandorte mitzuwirken oder Grundstücke käuflich zu erwerben, um sie einer grundwasserschonenden Bewirtschaftung zuzuführen.

 

Die Verantwortung für den dringend notwendigen, großflächigen - und vorsorgenden Grundwasserschutz liegt eindeutig beim Staat.

 

Dort übt man diesbezüglich, aus welchen Gründen auch immer, größte Zurückhaltung bei der Verwirklichung eines rechtlich verbindlichen und wirksamen Rahmens.

 

Es gibt zwar viele Gesetze und Schutzvorschriften, sowohl auch Bundes- wie auch auf Landesebene, aber diese sind entweder nicht ausreichend, werden nicht eingehalten oder sind nicht zielführend, wie man unschwer an den Ergebnissen ablesen kann.

 

Die Folgen sind eindeutig und auch nicht umkehrbar.

 

Grenzwertüberschreitung/Ausnahmegenehmigung/Sanierungsplan:

 

Nach Feststellung der Grenzwertüberschreitung in Hohenthann und in Pattendorf erhielten wir von der zuständigen Behörde jeweils eine Ausnahmegenehmigung, die schließlich in einer Genehmigung zusammengefasst wurde.

 

In der entsprechenden Stellungnahme des Gesundheitsamtes wird darauf hingewiesen, dass die Grenzwertüberschreitung im Trinkwasser für die Gesundheit der Verbraucher unbedenklich ist.

Pestizidgrenzwerte der Trinkwasserverordnung sind als Vorsorgestandards einzuordnen, bei denen die für einen Reinheitsgebotsstandard charakteristische Erwägung im Vordergrund steht, das Trinkwasser von Pestiziden weitgehend freizuhalten. Die Trinkwasservorordnung sieht eine befristete Zulassung einer Abweichung  von den Grenzwerten für Pflanzenschutzmittel vor, die im Rahmen einer Ausnahmegenehmigung erteilt werden kann.

 

Mit dieser Ausnahmegenehmigung verbunden ist die ganz nüchterne Botschaft  an uns als Wasserversorger dafür zu sorgen, mit Hilfe von erprobten Verfahren dem Grundwasser die Pflanzenschutzmittel wieder zu entziehen.

 

Unter dem Sammelbegriff „Sanierungsplan" hat uns die zuständige Verwaltung, nämlich das Gesundheitsamt, einen zeitlichen Korridor vorgegeben, der sich bis zum 01.09.15 erstreckt.

 

Eine wahrhaft sportliche Zielvorgabe, beinhaltet eine zielführende Vorgehensweise nicht weniger als den Neubau eines Brunnens mit entsprechender Netzintegration, den Ausbau einer Wasseraufbereitung, wobei wir für uns völliges Neuland betreten, die notwendige Anpassung der Betriebsstruktur und, so ganz nebenbei, die Bereitstellung der notwendigen Mittel.

 

Mit dem neuen Brunnen, den wir derzeit auf der von uns erworbenen Hofstelle errichten,

kann und wird es uns aller Voraussicht nach gelingen, die Situation in Hohenthann zu entschärfen.

Die Ergebnisse der abgeschlossenen Grundwassererkundung auf diesem Gelände sind vielversprechend.

Die Erkundungsbohrung  bis zu einer Tiefe von 200 m lässt sowohl in Bezug auf die Qualität wie auch im Hinblick auf die  Quantität kaum Wünsche offen.

Derzeit wird die Hauptbohrung des Brunnens durchgeführt.

Mit dem Ausbau des Brunnens erfolgt die Integration ins Netz um damit den Hochbehälter in Hohenthann zu speisen.

Der materielle Aufwand ist erheblich.

Neben dem Kauf der Hofstelle ist mit Investitionskosten in einem Umfang von etwa 1 Million € zu rechnen.

 

Im Weiteren bereiten wir für den Brunnenstandort Pattendorf eine Aufbereitung des Grundwassers vor.

Das erforderliche Verfahren, um dem Grundwasser die Pestizide entziehen zu können, ist erprobt. Es bedingt erhebliche Investitionen, wir rechnen vorläufig mit Investitionskosten in Höhe von etwa 1 Million €, und führt auch zu einem deutlichen Anstieg der Betriebskosten.

 

Beide Maßnahmen können wir aus unseren Rücklagen finanzieren.

 

Allerdings werden sich diese Investitionen auch auf das Ergebnis auswirken.

 

Die beiden Maßnahmen werden so geplant, dass sie spätestens innerhalb des Zeitfensters der Ausnahmegenehmigung in Betrieb genommen werden können.

 

Ausblick:

 

Die Tendenz der zunehmenden Belastungen der Grundwasserleiter wird weiter anhalten.

Hinweise dazu liefern zahlreiche Daten und Erkenntnisse aus wiederkehrenden Wasseranalysen aus Grundwassermessstellen, aus Brunnen, aus oberflächennahen Grundwasserleitern und auch aus Fließgewässern.

Dabei liegen nicht selten sowohl die Nitratwerte wie auch die Pestizidwerte über den Grenzwerten.

Dabei handelt es sich nicht nur um lokale Erkenntnisse sondern um weitgehend deckungsgleiche überregionale Beobachtungen.

 

In diesem Zusammenhang wäre es hilfreich die zuständige Verwaltung zu bitten, diese überregionalen Erkenntnisse einmal ausführlich darzustellen.

 

Bewertet man die vorliegenden Erkenntnisse, kommt man in einer Gefährdungsbeurteilung des Grundwassers um die Feststellung nicht herum, dass wir uns wohl auf eine weiter zunehmende Kontaminierung des Grundwassers einzustellen haben.

 

In welcher zeitlichen Abfolge und in welcher Qualität sich die zu erwartenden Veränderungen abbilden werden, diese Prognose ist nicht zielsicher möglich, die negative Richtung aber unstrittig.

Dabei hilft auch ein Blick auf die Entwicklung in den zurückliegenden Jahren mit einer ununterbrochen ansteigenden Belastung.

Mit der Überschreitung der Grenzwerte erfährt diese sich abzeichnende Entwicklung eine besondere Markierung, die zu einer erhöhten öffentlichen Wahrnehmung führt.

 

Wir haben auch schon vor dem Erreichen dieser Schwellenwerte viele kleinere und größere Maßnahmen auf den Weg gebracht um die Trinkwasserversorgung sicherstellen zu können.

 

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit stichpunktartig ein kleiner Auszug:

 

-Neubau eines weiteren Brunnens in Baldershausen

-Brunnen in Pfeffenhausen vom Netz genommen

-Neubau Grundwassermesspegel in Ebenhausen und in Englsdorf

-hydroisotopische Untersuchung des Grundwassers wg. Erkenntnisgewinnung Alter des Grundwassers und Nitratherkunft

-Pilotversuch Nitrataufbereitung Hohenthann

-Kauf des Anwesens in Burghart

- Brunnenbohrung in Burghart;

 

Wir durchleben wahrlich einen sehr dynamischen Prozess.

Wir stellen uns den damit verbundenen Herausforderungen in der gebotenen Weise, um unsere Kunden bestmöglichst bedienen zu können.

Wir können allerdings die uns zur Verfügung stehenden Rahmenbedingungen nicht verändern.

Vielfach sind wir auch auf fremde Hilfe und auf die Unterstützung der uns begleitenden Verwaltung angewiesen.

Für die gute Zusammenarbeit möchte ich mich auch ausdrücklich bedanken.

Die wird auch in Zukunft notwendig sein, wenn es darum geht neue Schutzgebiete auszuweisen, bestehende Schutzgebiete zu überarbeiten oder ein im Raum stehendes Gülleverbot in der Schutzzone II der Wasserschutzgebiete umzusetzen.

 

Unterstützend begleiten werden wir auch die weiteren Aktivitäten in Hohenthann einer erweiterten Erkenntnisgewinnung unter dem Stichwort „Nährstoffmanagement" dass dort auf den Weg gebracht werden soll.

 

Soweit meine Ausführungen zu den aktuellen Entwicklungen, die ich gerne zur Diskussion stelle.

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

 

Hans Weinzierl

Erster Vorsitzender

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