Unkrautregulierung im Mais im Wasserschutzgebiet

So wenig Spritzmittel wie möglich
Vertreter der Landwirtschaft, des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Abensberg, des Maschinenrings Landshut-Rottenburg und des Wasserzweckverbandes Rottenburger Gruppe trafen sich auf dem Feld von Andreas Loibl im Wasserschutz-gebiet Pattendorf.
Im Raum Rottenburg wird viel Mais angebaut. Daher will der Wasserzweckverband hier ansetzen und gemeinsam mit Landwirten Strategien entwickeln, wie Mais grundwasserschonend bewirtschaftet werden kann. Da Feldtage mit vielen Landwirten corona-bedingt schwierig sind, hat der Wasserzweckverband vergangene Woche zum Expertengespräch geladen. Das Thema lautete „Unkrautregulierung im Mais im Wasserschutzgebiet“.
In Regionen im Raum Rottenburg mit intensiver Viehhaltung und Biogasanlagen spielt der Mais eine zentrale Rolle. Da der Mais während der Jugendentwicklung sehr konkurrenzschwach gegenüber Unkräutern ist, ist eine Strategie zur Unkrautbekämpfung nötig. Chemische Pflanzenschutzmittel werden von Wasserversorger und Gesellschaft kritisch gesehen. Eine Möglichkeit ist die Kombination von mechanischer und reduzierter chemischer Unkrautbekämpfung, etwa mit einem Hackgerät.
Zu diesem Thema traf sich eine Expertenrunde bestehend aus Vertretern der Landwirtschaft, des Amts für Ernährung, Land-wirtschaft und Forsten Abensberg, des Maschinenrings Landshut-Rottenburg und des Wasserzweckverbandes Rottenburger Gruppe auf dem Feld von Andreas Loibl im Wasserschutzgebiet Pattendorf.
Unkrautproblem möglicherweise durch Mist

Dort hat der Landwirt Mais angebaut und mit einem massiven Unkrautproblem zu kämpfen. Sein Acker im Wasserschutzgebiet ist
sehr hügelig, was typisch ist für das tertiäre Hügelland. Deshalb muss Loibl für einen guten Erosionsschutz sorgen etwa durch eine starke Mulchauflage, die er nicht durch eine mechanische Unkrautregulierung zerstören möchte. Loibl versucht, so wenig Unkrautvernichtungsmittel zu spritzen wie möglich. Deswegen habe er die vergangenen Jahre nur ein Bodenmittel gespritzt
und kein Blattmittel. „Das hat auch immer sehr gut funktioniert“, erklärte er. Doch heuer hat er zusätzlich zu 30 Kubikmetern
Schweinegülle, die er vor der Saat ausgebracht hat, einen Tag nachdem er ein Vollherbizit gespritzt hat, erstmals auch 20 Kubikmeter Pferdemist aufs Feld gebracht. Dem Mist gibt Loibl die Schuld dafür, dass so viel Unkraut aufgegangen ist. Um auf das Blattmittel verzichten zu können, hat er sich überlegt, eine mechanische Methode auszuprobieren, nämlich ein Hackgerät.
Eigentlich wollte er das schon früher machen, doch dann kam ihm das Wetter dazwischen, es hat eine Woche durchgeregnet, was das Hacken unmöglich machte. Durch den Regen ist vor allem die Melde stark gewachsen.
Um das Hacken auf dem Acker auszuprobieren, kam Simon Bindorfer vom Demobetrieb Gewässer-, Boden-, Klimaschutz Martin
Forstner mit seinem Hackgerät. Doch das erwies sich als ungeeignet, da der Mais sechsreihig gesät wurde, das Hackgerät jedoch achtreihig hackt und deswegen Maispflanzen beschädigt.
Konkret auf Acker zugeschnitten spritzen
Wasserberater Christoph Biberger empfahl, künftig auf das Bodenmittel zu verzichten und nur ein blattaktives Mittel zu spritzen. Am besten wäre es zu striegeln, zweimal zu hacken und dann ein blattaktives Mittel zu spritzen, erklärte Florian Strixner vom Erzeugerring für Pflanzenbau Niederbayern. Doch das beeinflusst die Erosion negativ. Grundsätzlich sei es wichtig, sich Gedanken zu machen, wo man Spritzmittel reduzieren kann, betonte Strixner. Der Landwirt müsse sich konkret mit seinen Flächen beschäftigen und herausfinden, welches Mittel er braucht. „Es muss nicht immer der Alleskönner sein.“
Mit diesem Vorgehen sei dem Wasserschutz schon mal geholfen, betonte Dr. Marlene Gruber, Projektkoordinatorin für Landwirtschaft und Grundwasserschutz des Wasserzweckverbandes. Es sei teilweise jedoch schwierig, die Landwirte dazu
zu bringen, sagte Strixner. Viele seien konservativ eingestellt und wollen nicht auf ein Mittel verzichten, das funktioniert, kostengünstig und legal ist. Strixner wollte wissen, welche Wirkstoffe Wasserversorger grundsätzlich kritisch sehen. Das
sei sehr schwierig zu beantworten, erklärte Gruber. Denn Rückstände von Spritzmitteln seien erst Jahrzehnte nach der Verwendung im Grundwasser nachzuweisen. Grundsätzlich gelte aber: „je weniger, desto besser.“
Auf der Fläche von Andreas Loibl ist das Experiment „Hacken“ dieses Mal gescheitert. Da er so schnell wie möglich handeln muss, weil das Unkraut schon so hoch ist und der Mais sonst verkümmert, sei er gezwungen zu spritzen, erklärte er. Auch wenn
sich Gruber als Vertreterin des Wasserzweckverbandes eine andere Lösung gewünscht hätte, freute sie sich über den konstruktiven Dialog und die Lösungsansätze.

Quelle Text und Foto: Anna Kolbinger (Landshuter Zeitung)